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Ikonika x Mungo x Novation

Von Objekten und leeren Orten

Sieh dir Ikonika's Performance von 'Nobody' an, begleitet von eindringlichen Visuals des Londoner Künstlers MUNGO

Bei der Auswahl eines Kollaborateurs ist es immer eine gute Idee, jemanden mit ähnlichen Vorlieben und Abneigungen ins Boot zu holen — egal wie düster oder misanthrop diese Sichtweisen auch sein mögen. Die kreative Basis der Kollaboration von Ikonika und Mungo wird zu großen Teilen von ihren Gemeinsamkeiten bestimmt - und ihre gemeinsame audiovisuelle Vision wird von kalter Science-Fiction und entvölkerten Räumen dystopischer Architektur bestimmt.

 

 

"Uns beiden gefällt die Idee, eine Geschichte durch Objekte und leere Schauplätze ohne Figuren zu erzählen", sagt Mungo, ein Londoner, der auch als Designer und als DJ Leo Thomson bekannt ist, und seit Jahren mit Ikonika zusammenarbeitet. Er hat außerdem bereits Visuals für britische Club- und Grime-Ikonen wie L-Vis 1990 und Boy Better Know erschaffen. Zu seinen bisherigen Aufträgen für Ikonika gehörte das Cyberpunk-Cover für ihr Album Distractions von 2017. Er schuf dabei ein brutalistisches Stadtviertel ohne Menschen und mit glühenden, türkisfarbenen Lichtern — eine Form des Futurismus, der den unterkühlten Funk der Clubtracks der Hyperdub-Künstlerin widerspiegelt.

 

Ikonika + Mungo + Novation

 

Sobald das Duo eine gemeinsame Vision entwickelt hat, kollaborieren sie am liebsten mit einer gewissen Distanz, wobei Ikonika das Konzept vorlegt und Leo eine visuelle Antwort gibt. Ihre jahrelange kreative Verbindung war für das Endergebnis dieser Zusammenarbeit noch entscheidender als sonst, denn sie standen bei der Erschaffung des audiovisuellen Erlebnisses unter Zeitdruck. "Wir mussten vorankommen ohne zu viel darüber nachzudenken — Entscheidungen treffen ohne genau zu wissen, warum wir sie trafen", erklärt Leo. "Spontaneität war wichtig. Ich arbeite wirklich gerne so". Ikonika erinnert sich sehr genau. "Ich habe ihm gesagt: Mach einfach, was du willst, hör nicht auf mich. Wir hatten schon zuvor mit Live-Audio/Visuals gearbeitet, und waren an einem Punkt, an dem wir uns gegenseitig vertrauen konnten".

Um die stahlverkleidete Klangwelt von "Nobody" aus Ikonika's letzter EP des Londoner Labels Don't Be Afraid darzustellen, hat Leo eine Reihe urbaner Szenen entworfen, in denen er mit choreografierten Stroboskopen vertraute und ungewöhnliche Gegenstände gleichermaßen zum Leuchten bringt. Das Ansehen des Videos sei wie die Vermessung eines Tatorts, erklärt er. "Man überlegt: 'Wie kam das Quad in den See?' oder 'Warum steht der Liegestuhl auf den Felsen?'" Statt zu versuchen, animierte Aufnahmen einzubauen, hielt Thomson an statischen Bildern fest, was ihm mehr kreative Freiheit gab. "Wenn man eine animierte Aufnahme ändern will, muss man warten, bis sie gerendert ist, die Änderung vornehmen und sie dann erneut rendern - und dabei geht viel kreativer Schwung verloren", erklärt er. Die Arbeit mit Stillleben bedeutete, dass er keine feste Vorstellung vom Endergebnis haben musste. "Man muss dabei nicht so diszipliniert sein." Ikonika nutzte die Gelegenheit, ihren Bildermacher mit einer unmöglichen Bitte zu konfrontieren. "Ich fragte: 'Leo, kannst du ein paar Kamerafahrten machen?' Nur um ihn zu ärgern. Er meinte: "Weißt du, wie lange das dauern würde?!"

Während Leo seine Cyber-Noir-Szenen renderte, war Ikonika damit beschäftigt, den Launchkey Mini zu programmieren, den Track in Spuren zu zerlegen und die Live-Aufführung zu proben. "Ich habe eine spezielle Version von 'Nobody' gemacht und Audio live getriggert, dann Bass und Synthesizer gespielt und aufgenommen und geloopt", sagt sie. "Das Launchkey war wirklich leicht zu erlernen, das Layout ist praktisch. Ich benutze Novation-Produkte eigentlich schon seit ziemlich langer Zeit. Das Launchpad gefällt mir besonders gut. Es hat ein einfaches Layout, es gibt nicht allzu viele Dinge zum Herumspielen. Wenn ich mich in einer Live-Situation befinde — und das kommt nicht sehr häufig vor — muss es simpel sein und leicht von der Hand gehen.

 

Ikonika + Mungo + Novation Launchkey Mini

 

Die letzte Szene war "eine wilde Erfahrung", erinnert sie sich. Da es aufgrund von Covid gewisse Beschränkungen gab, stand Ikonika am Ende alleine mit dem Launchkey Mini im Dunkeln auf einer winzigen Bühne. "Alle waren so weit von mir entfernt. Es war ein bisschen surreal, aber es machte auch Sinn, wegen des Tracks und den Visuals — die Art und Weise, wie jeder nur aus der Entfernung ein Teil des Ganzen war. Es gab eine große Distanz, und ich denke, dass das bei unserem Projekt Sinn machte. Eine distanzierte Performance erschien plötzlich wie eine künstlerische Entscheidung. "Unsere Zusammenarbeit ist wie geschaffen für Clubmusik in leeren Räumen und ohne Zuhörer", lacht sie.

 

Text: Chal Ravens